Wie geht es weiter? Vorbereitung auf den Wirtschaftsaufschwung
Karl Fritchen, Präsident von QuadTech
Fast alle Unternehmen quer über alle Branchen haben mit der derzeitigen Konjunkturlage bis zu einem gewissen Grad zu kämpfen. Karl Fritchen erörtert, wie Drucker und ihre Lieferanten den Wirtschaftsabschwung nicht nur überleben, sondern daraus sogar stärker als vormals hervorgehen können.
TT—Welche praktischen Schritte können Drucker unternehmen, um einen Wirtschaftsabschwung zu überstehen?
KF—Wie sagt das alte Sprichwort? Wenn es hart auf hart kommt, dann aber richtig! Schwierige Wirtschaftslagen bieten neue Möglichkeiten zur Partnerschaft mit Lieferanten, Kunden oder sogar Menschen, mit denen man normalerweise eher nicht interagieren würde. Das Ziel hierbei ist es, neue Methoden zu finden, Mehrwert für Ihre Kunden zu schaffen, so dass diese mehr Geschäft erwirtschaften können. Eine gründliche Überprüfung dahingehend, was Kunden aus der von Ihnen geteilten Geschäftsbeziehung wirklich schätzen und die Bitte um Verbesserungsvorschläge unterstützen Sie dabei. Oftmals resultieren daraus neue Geschäftsmodelle. Ich schlage vor, dass Sie mit denjenigen Kunden beginnen, mit denen Sie ein starkes gegenseitiges Vertrauensverhältnis haben. Beide Seiten müssen in der Lage sein, sich auch schwierige Themen anzuhören und sich neuen Wegen zur Geschäftsanbahnung aufgeschlossen zeigen. Seien Sie darauf vorbereitet, neue Dinge auszuprobieren und geben Sie ihnen eine Erfolgschance, bevor diese als nutzlose Ideen vom Tisch gefegt werden.
TT—Sie haben positive Schritte aufgeführt. Haben Sie Druckereien erlebt, die Praktiken oder Taktiken anwenden, die Sie als eher falsche Richtung bezeichnen würden?
KF—Das ist eine schwierige Frage, da wir oftmals die Beweggründe hinter den Entscheidungen anderer nicht voll verstehen, was unsere Meinung bezüglich ihrer Handlungen wirklich in Frage stellt. Ich muss mich jedoch fragen, warum so viele Unternehmen die in ihren Firmen bestehende Überschusskapazität bewahrt haben. Viele Teile unserer Branche benötigen dringend einen Kapazitäts-Reset, wenn wir zu einem vernünftigen Maß an Druckmargen zurückkehren möchten. Ich bin davon überzeugt, dass diejenigen Unternehmen, die bereit sind, schwierige Entscheidungen zu treffen und nach bestehenden Möglichkeiten zu suchen, aus dem derzeitigen Wirtschaftsabschwung stärker hervorgehen als ihre Wettbewerber.
TT—Was genau macht Ihr Unternehmen, um sich für die Kehrseite des Wirtschaftsabschwunges vorzubereiten?
KF—Wo es Schmerzen gibt, besteht auch die Notwendigkeit einer Lösung. Die Darbietung von Lösungen ist das Herzstück unseres Geschäfts. Wie alle anderen auch, sehen wir uns unsere Kosten genau an und treffen dann oftmals schwierige Entscheidungen. Wir haben unser Unternehmen um die Punkte herum gestrafft, über die unsere Kunden entschiedene Ansichten hatten, so dass wir gut positioniert sind, sie beim gemeinsamen Eintritt in die Aufschwungphase zu unterstützen. Wir weigern uns jedoch entschieden, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung zu kürzen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Wir investieren derzeit stark in neue technische Entwicklungen und zeigen dem Markt unsere Fähigkeit, auch während des Wirtschaftsabschwungs neue, hochinnovative Produkte zu entwickeln. Dieses Jahr werden wir mehr Produkteinführungen als jemals zuvor in einem einzigen Jahr seit Bestehen unseres Unternehmens haben.
Wir konzentrieren uns dabei auf zwei Hauptprodukteinführungen: AccuCam™ für den Zeitungsdruck und SpectralCam™ für den Verpackungsmarkt. Sie ergänzen unsere branchenführende SpectralCam™ für den Akzidenzmarkt, die letzten November veröffentlicht wurde. Desweiteren stoßen wir mit einigen Funktionalitäten vorwärts, die maßgeblichen Brancheneinfluss haben werden, über die ich jedoch noch keine Einzelheiten nennen kann!
Unsere Wettbewerber können sich mit unserer Finanzstärke und unserer Verpflichtung hin zur Mitarbeiterexpertise nicht messen. Wenn sich die Weltwirtschaft also wieder erholt, sind wir davon überzeugt, dass wir aus dem Wirtschaftsabschwung stärker als jemals zuvor hervorgehen werden.
TT—Wo genau liegen die einzigartigen Möglichkeiten für Drucker? Gibt es spezifische Themen, die sie jetzt berücksichtigen sollten, um auf den schlussendlichen Aufschwung vorbereitet zu sein?
KF—Ich denke, dass alle Unternehmen die Leitindikatoren zum Aufschwung in ihren Geschäftsbereichen verstehen müssen. Mithilfe dieses Wissens wird es wesentlich einfacher, auf Sachkenntnis gestützte Risiken einzugehen, die Wettbewerber zum Wirtschaftsaufschwung hinzuführen und letztendlich eine Führungsrolle bei Ihren Kunden und potentiellen Kunden zu übernehmen.
Werbung war stets ein starker Leitindikator für die Druckbranche. Wie auch während der letzten Werbeflauten, hat sich der Druckmarkt mit der Zeit wieder erholt. Bei all den Pop-up-Blockern im Web, Satellitenradio, DVRs und automatischem Stummschalten von TV-Werbespots, wird Druck nach wie vor ein starkes Medium darstellen, um bestimmte von Werbungsbetreibenden angezielte Demographien zu erreichen. Je mehr Potential Sie zur Verfügung haben, um Ihre Zielgruppe zu erreichen, desto größer wird der aus Ihren Anstrengungen resultierende Erfolg sein.
Zugleich denke ich, dass der Verpackungsmarkt eine enge Beziehung zum Konsumklima darstellt. Wenn das Konsumklima ansteigt, erhöhen sich die Verpackungsanfragen. Je präzisierter Ihre Bewertung des Konsumklimas ausfällt, desto zielorientierter können Sie Ihre Verpackungsprodukte präsentieren, um so in den aktiven Marktbereichen Anklang zu finden.
Unabhängig von Ihrem Kompetenzrahmen möchten Sie die Woge aus dem Wirtschaftsabschwung heraus anführen und entsprechende Einsichten für die nächste in Ihre Richtung gehende Konjunkturschwäche besitzen. Diejenigen Unternehmen, denen dies gelingt, werden beständigen Erfolg haben.









