Den Wandel zu Semi-Commercial vollziehen
Jim Wodicka—QuadTech Gebietsleiter, Europa
In Zeiten rückläufiger Auflagen in etablierten Zeitungsmärkten sucht jeder Drucker nach neuen Wegen zur Druckmaschinenauslastung. Entweder müssen mit der überschüssigen Maschinenkapazität weitere Zeitungen oder Semi-Commercial-Aufträge gedruckt werden. Jim Wodicka diskutiert die im Rahmen dieses Wandels enthaltenen Herausforderungen und Möglichkeiten.
TT—Können Sie sich vorstellen, dass viele Zeitungsdrucker ihre Druckmaschinenkonfiguration auf Semi-Commercial-Aufträge ausrichten?
JW—Viele der von uns heutzutage beobachteten Druckmaschinenkonfigurationen weisen Elemente zur Semi-Commercial-Produktion auf. Diese Maschinenkonfigurationen können der von Akzidenzdruckmaschinen in vielerlei Hinsicht ähneln. Der Einsatz von Heißlufttrocknern, UV-Trocknern und Falzwerken oder Einheiten im 90-Grad-Winkel zueinander bieten bei der Produktion eine höhere Flexibilität. Mithilfe dieser zusätzlichen Elemente gehen jedoch auch zusätzliche Herausforderungen bei der Bahnkontrolle einher, um eine entsprechende Qualitätsproduktion sicherzustellen.
TT—Ist dies also nur für neue Druckmaschinen praktikabel? Wie sieht es bei bestehenden Zeitungsdruckmaschinen aus?
JW—Die Herausforderung besteht darin, den Auftrag auf die Druckmaschine anzupassen. Die meisten Zeitungsdruckmaschinen sind nicht darauf konfiguriert, viele verschiedene Größenformen in diversen Lieferungen zu bearbeiten. Die Rekonfiguration einer bestehenden Druckmaschinen ist kostspielig und ist manchmal aufgrund derzeitiger Bauauflagen nicht möglich.
TT—Wie sehen die Erwartungen der Semi-Commercial-Kunden aus?
JW—Sie erwarten ganz klar höhere Qualität. Je nachdem, was vom Kunden erwartet wird und wie er höhere Qualität definiert, kann dies entweder zusätzliche Steuerungen oder Druckmaschinenänderungen bzw. andere vorgeschaltete Verfahren bedeuten, um dieses höhere Qualitätsniveau zu erzielen. Heutzutage beobachten wir, dass Farbregelungssysteme zur Norm bei Druckmaschinenanwendungen zählen, die vormals als Semi-Commercial galten. Diese Anforderungen für bessere Qualität zwingen Zeitungs- und Semi-Commercial-Drucker, in Produkte zu investieren, die ehemals nur im Drucksaal von Akizdenzdruckern anzutreffen waren. Natürlich würden wir gerne mehr Steuerungen sehen - und besonders QuadTech-Steuerungen -, dies ist jedoch nicht immer der Fall. Die Zusammenarbeit mit dem Drucker und Druckmaschinenhersteller zur besten Lösung ist grundsätzlich die beste Geschäftsgepflogenheit.
TT—Wie trainieren Drucker ihr Bedienpersonal, um den Anforderungen höherer Qualität entgegenzukommen?
JW—Falls ein Zeitungsdrucker keinerlei Erfahrung mit Semi-Commercial-Aufträgen hat, ist entsprechendes Training unerlässlich. Einige der Druckmaschinenhersteller haben keine Erfahrung im Akzidenzdruck und sind ferner dabei, die Herausforderungen in Erfahrung zu bringen. Einige Lieferanten automatisierter Regelungssysteme können Training anbieten. Ich bin davon überzeugt, dass QuadTech einzigartig positioniert ist, um bei diesem Wandel zu helfen, da wir sowohl im Akzidenz- als auch im Zeitungsdruck auf eine weitreichende Erfahrung zurückblicken können. Wir verstehen die Hindernisse und Anforderungen, und es gibt nicht vieles, das wir noch nicht gesehen haben.
Kürzlich hat ein in den USA ansässiger Zeitungsdrucker seine neue Druckmaschine auf Semi-Commercial-Aufträge konfiguriert. Als es bei der Semi-Commercial-Fertigung dann Probleme gab, haben wir in Zusammenarbeit mit dem Drucker die Probleme identifiziert und Verbesserungsvorschläge unterbreitet. Ferner haben wir Funktionalitäten in unseren Produkten aufgezeigt, die im täglichen Wechsel zur Semi-Commercial-Fertigung nützlich gewesen wären, jedoch konnten die Druckmaschinen diese bestimmte Funktionalität nicht einsetzen. Wir schlugen eine Vielzahl an Lösungen vor. Schließlich stellten sich Änderungen am Druckmaschinen-Design als die erstrebenswerteste Lösung heraus. Wir können also sowohl Druckmaschinenhersteller als auch Drucker dabei unterstützen, Lösungen zu finden, um ihre Unternehmen in Gang zu bringen.
TT—Ist für diese Tätigkeitsart mehr Automation erforderlich?
JW—Dies hängt von der Automatisierung Ihrer derzeitigen Prozesse und Ausstattung ab. In der Zeitungsdruckbranche kann es einen enormen Unterschied zwischen den Prozessen und der Automatisierungsausstattung eines Druckers, der einen kleinen Markt bedient, verglichen mit Druckern, die im mittleren bis großen Markt tätig sind, geben. In der Zeitungsbranche gibt es einen hohen Automatisierungsgrad, um knappe Ablieferungstermine einzuhalten, dies verleiht Ihnen jedoch nicht notwendigerweise die von Semi-Commercial-Kunden verlange hohe Qualität. Die Entscheidung zur Automatisierung ist eine Balance zwischen Qualitätskontrolle und dem erforderlichen Personel, um das Qualitätsniveau zu bewahren. Zusätzliche Automatisierung, um das Qualitätsniveau zu steuern bzw. zu sichern, ist jederzeit sinnvoll verwendetes Geld. Zusätzliches Personal zur Gewährleistung der Qualität jedoch nicht.
TT—Können es sich Zeitungsdrucker überhaupt erlauben, den Wandel zu Semi-Commercial-Aufträgen nicht zu vollziehen?
JW—Es scheint, als ob die Tage, an denen Zeitungsdruckmaschinen nur zur Fertigung einer Morgenausgabe acht Stunden laufen, gezählt sind. Die Einsatzmaximierung Ihrer großen Kapitalanlage wird mehr und mehr zu einer Überlebensfrage. Dies bedeutet entweder Konsolidierung mehrerer regionaler Zeitungsproduktionen oder die Konfiguration der Druckmachine hin zu genügender Flexibilität, um mehrfache Produktkonfigurationen zu fertigen – wie z. B. Semi-Commercial-Aufträge. Aufgrund des Wettbewerbs mit anderen Medienträgern erwarten wir, dass dieser Trend bis weit in die Zukunft anhält. Wir konzentrieren uns auf die Entwicklung und Darbietung von Produkten zur effizientesten Fertigung und höchster Qualität, um die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit bis weit in die Zukunft zu sichern.









